Es mag heute schwer vorstellbar sein, doch Ende der 90er-Jahre war Ambri ein Spitzenteam mit Titelambitionen. Im Streben um meisterlichen Ruhm leistete man sich eine Mannschaft, die man sich eigentlich nicht leisten konnte. Die Konsequenzen wogen später schwer, doch darum soll es hier nicht gehen.
Bereits in der Saison 1997/1998 galt man als Meisterkanditat, vergab im Halbfinal gegen den späteren Meister Zug allerdings zwei Matchpucks und blickte in dei Röhre. Captain Peter Jaks verabschiedete sich nach der Saison in Richtung Zürich, während von den Ausländern Igor Chibiriev nach Fribourg weiterzog. Er sollte durch einen gewissen Paul Di Pietro ersetzt werden. Das Kader blieb ansonsten unverändert stark, gerade auch bei den inländischen Spielern.

Neuer Anlauf also in der Saison 98/99. Die Qualifaktion gewann man souverän mit 10 Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierten ZSC Lions. Von den 45 Spielen gingen gerade mal deren sieben verloren. Oleg Petrow und Paul DiPietro belegten die ersten beiden Plätze der Ligatopskorerlise. So war im Frühjahr 1999 alles für einen langen Playofflauf angerichtet. Und Ambri enttäuschte nicht. Rapperswil und Kloten wurden in den ersten beiden Runden diskussionslos mit 4:1 in die Ferien geschickt. Der grosse Rivale aus dem Süden bodigte derweil Davos und den amtierenden Meister Zug. Tatsächlich kam es im Finale damit zu einem Tessiner-Derby, die Südschweiz stand Kopf.
Schnell zeigte sich, dass es kein Selbstläufer werden wird. Man unterlag im ersten Spiel 2:3 nach Penaltyschiessen (das gab es damals auch in den Playoffs noch), revanchierte sich mit einem Auswärtssieg in der Resega, ehe es in Spiel drei eine neuerliche Heimniederlage in der Verlängerung absetzte. In jenem Spiel erwischte Misko Antisin (ausgerechnet er!) Pauli Jaks von hinter der blauen Linie zwischen den Beinen. Ein Tor, dass wohl so mancher Fan noch heute vor dem geistigen Auges sehen kann. Spätestens nach der 0:4-Pleite im vierten Spiel war das Momentum endgültig auf Luganos Seite gekippt, die damit noch einen Sieg vom Titel enfernt waren.
Spiel fünf gelangte am Ostermontag, einem frühlingshaften Sonnentag, in Ambri zur Austragung. Der Schwarzmarkt vor dem Stadion brummte kurz vor Spielbeginn nochmals heftig, manchen war ein Stehplatz 200 Franken wert. Auf dem Eis kämpfte Ambri mit allem, was noch übrig war. Endstation war, wie schon in den Spielen zuvor, ein überragender Christobal Huet. Ein Mann, der später in seiner Karriere den Stanley-Cup in die Höhe stemmen wird. Der alles entscheidende Treffer zum 1:3 fiel ins leere Tor. Ambris Märchen endete ohne Happy End.
Warum es damals nicht gereicht hat, ist 26 Jahre später schwer zu beurteilen. Lugano dürfte insgesamt ein Stück abgeklärter und unabhängiger von den ausländischen Stürmern gewesen sein.
Die Finalniederlage stellt rückblickend einen Wendepunkt in Ambris-Geschichte dar. Zwar schaffte man es vorerst weiterhin regelmässig in die Playoffs, über die erste Runde hinaus reichte bis heute jedoch nie mehr. Die finanziellen Sünden dieser Zeit lasten bis heute auf der Organisation.
Dennoch hatten diese Jahre, mit der Finalserie als Höhepunkt, ihre ganz besondere, einzigartige Magie.
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