Die Mär der ausgeglichenen Liga

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Mit Lausanne und Zürich duellieren sich – wie im Vorjahr – die beiden besten Teams der Saison verdientermassen in der aktuellen Playoff-Finalserie. Weder Zufall noch Überraschung.

Spieler, Sportchefs und Medien werden nicht müde, die Ausgeglichenheit unserer höchsten Liga zu betonen. Jeder könne jeden schlagen, Punktgewinne seien pickelhart zu erarbeiten usw.. Klar, viele Qualispiele verlaufen einigermassen ausgeglichen, Überraschungsresultate sind praktisch nach jeder Runde auszumachen. Jedes noch so favorisierte Team muss seine Spiele ernsthaft angehen, um eben solche Überraschungen zu vermeiden. Im Verlauf der 52 Runden relativiert es sich jedoch Jahr für Jahr mit der vermeintlichen Ausgeglichenheit. Am Anfang und am Ende der Tabelle finden sich mehrheitlich die selben Teams. Das zieht sich, wenig überraschend, im Meisterrennen weiter: von den 24 seit dem Jahr 2000 vergebenen Meistertiteln teilen sich Zürich (7), Davsos (6) und Bern (6) deren 19 Titel unter sich auf. Die Titelgewinne von Lugano (2), Zug (2) und Genf (1) stellen da schon fast Randnotizen dar. Umso mehr, da Luganos letzter Titelgewinn 18 Jahre zurückliegt, während Zug und Genf hier erst in den letzten vier Jahren für frischen Wind sorgten. Fazit: der Meistertitel wurde in diesem Jahrtausend grossmehrheitlich durch die gleichen drei Mannschaften gewonnen.

Die Frage nach dem warum ist im Kern mit einem Wort geklärt: Geld. Geld ist und bleibt der wichtigste Bestandteil, um ein Meisterteam zu stellen. Zürich mauserte sich nach Walter Freys Einstieg rasch zum Spitzenteam, während man jüngst in Lausanne – nach dem grossen Budgetsegen – zunächst noch einige Wirrungen in der Vereinsführung bzw. den Investoren auszulöffeln hatte, um sportlich nach vorne zu stürmen. Das führt uns zum nächsten, wichtigen Punkt: die Kohle muss dann doch noch richtig eingesetzt werden. Vorab Zürich macht da sehr vieles richtig. Nachwuchsarbeit, Management, Teamzusammenstellung, Trainer, Infrasturktur usw.. Selbiges in Zug, wo man nach der aktuellen Umbruchphase wohl wieder ganz vorne mitmischen wird.

So gibt es aktuell drei bis vier Teams, die ernsthaft um den Titel spielen. Spannender als die Meisterfrage ist da schon eher, welche vermeintliche Playoff-Mannschaft die Saison vermasseln oder welcher Aussenseiter positiv überraschen wird. Das Publikum stört sich nicht daran, es strömt Saison für Saison scharenweise in die Stadien. Vielerorts scheint man mit einer guten Quali und ein paar Playoffspielen zufrieden zu sein. Meister werden sowieso die anderen, hauptsache der Unterhaltungsfaktor der einzelnen Spiele stimmt.

Der vor einigen Jahren durch HCD-Präsident Gaudenz Domenig aufs Parkett gebrachte Vorschlag zur Einführung einer Lohnobergrenze (‚Financial Fairplay‘), um für mehr Ausgeglichenheit bzw. Chancengleichheit zu sorgen, ist irgendwo versickert. Stattdessen erhöhte man die zulässige Ausländerzahl und begann damit, den Eishockeyfan mit den unsäglichen Werbepausen während den Dritteln (‚Commercial Breaks‘) zu beglücken. Bei all den kommerziellen und sonstigen Anpassungen nach NHL-Vorbild, hätte die angepasste Übernahme einiger der dortigen Rahmenbedingungen (Salary-Cap, Draft-/Tradesystem usw.) durchaus eine Chance verdient. Konkurrenz belebt das Geschäft!


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