Es gibt Spieler, die in kurzer Zeit über die gesamte Liga hinweg bekannt sind. Chris DiDomenico ist ein solcher Spieler. Findet er in der Leventina seinen Frieden?
Mit dem hatte man nicht gerechnet: am 28. Oktober wurde die Ankunft von Chris DiDomenico in Ambri verkündet. Mit dem 35-jährigen Kanadier kommt aus Fribourg – im Tausch für Jakob Lilja – ein Spieler, der niemanden kalt lässt. Da sind seine unbestrittenen spielerischen Qualitäten, die gerade bei Stürmern in Form ihrer Punkteausbeute gemessen werden können und die bei DiDomenico in der Schweiz durchwegs hoch waren (+/- 1 Punkt pro Spiel). Nicht weniger fällt er durch sein Verhalten auf dem Eis auf: provozierend, gestikulierend, aber auch immer mal wieder grenzüberschreitend. DiDomenico ist dort, wo etwas passiert, nicht selten gar der Auslöser davon. Seine etwas gedückte Körperhaltung drückt seinen bedingungslosen Siegeswillen und seine Leidenschaft für das Eishockeypsiel aus. Die Ärmel seines Shirts trägt er bevorzugt auf Ellenbogenhöhe, rückseitg stopft er selbiges teilweise in die Hose. Chris DiDomenico will gesehen werden, anders sein als die anderen. Das ist Teil seiner Identität als Spieler.
Zunächst macht dieser Transfer absolut Sinn, fehlte es in Ambris Spiel bis dahin geradezu an Temperament und Überraschungseffekten. Wohl die letzten Elemente, die seinem Spiel je fehlen werden. Die zählenden Werte bei ausländischen Stürmern sind letztlich Skorerpunkte, wo er wie einleitend erwähnt, bisher konstant gute Werte erreichte. Werte, die er in den ersten 16 Spielen für Fribourg allerdings nicht erreichte (2 Tore). Zufall, sportlicher Alterungsprozess oder Ausdruck von Unzufriedenheit? Fragen, die in seinem Fall durchaus berichtigt sind. Chris DiDomenico wird bisweilen divenhaftes Verhalten und spielerischer Egoismus nachgesagt. Das verträgt sich nicht mit jedem Trainer oder anders gesagt, braucht es für ihn die richtige Führung, um eben das Beste aus ihm herasuzuholen. Man durfte gespannt sein, wie seine Leidenschaft mit jener in Ambri zusammenpasst.
Nach 30 Spielen als Biancoblu zeigt sich: dieser Transfer hat sich gelohnt. DiDomenico stellt die erwartete Bereicherung in Ambris-Spiel dar. Er geht voran, versucht das Spiel an sich zur reissen und er produziert: 9 Tore und 23 Assists in bisher 32 Spielen. Man sieht ihm förmlich an, wie er um jeden Preis gewinnen will. Da ist man eher bereit zu verzeihen, dass er es hin und wieder „vergisst“, sich rechtzeitig auswechseln zu lassen und dann mit leerem Tank auf dem Eis rumrutscht. Mit dem ziemlich unnötigen Foul (Blind-Side-Check) im Spiel gegen Kloten, blitzte leider noch eine andere, nicht unbekannte Seite von ihm auf. Die beiden inzwischen aufgebrummten Spielsperren treffen uns, in der wohl kritischsten Phase der ganzen Saison, empfindlich hart.
Der Vertrag von Chris DiDomenico läuft Ende Saison aus. Er passt zu Ambri. Schade, dass es nicht schon früher mit einem Engagement geklappt hat, obwohl Paolo Duca sich angeblich immer wieder darum bemüht haben soll. Da sein Spiel nicht vom Tempo lebt, dürfte er noch zwei bis drei produktive Saisons im Tank haben. Entscheidend wird, bei einem Spieler in seinem Alter, nicht zuletzt die angebotene Vertragsdauer sein. Mit einem Vertrag über zwei Jahre plus vereinsseitiger Option für ein drittes Jahr müsste Chris DiDomenico seinen Frieden in der Leventina doch finden!?
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